08. Juli 2010

Literaricum Lech

Nachdem sich in den vergangenen knapp 25 Jahren das Philosophicum Lech zu einer festen Grösse im Kulturleben des Ferien-Ortes Lech Zürs entwickelt hat, ist es Zeit für einen nächsten Schritt: Das Literaricum Lech

 

Es wird sich von den sonst gängigen Literaturveranstaltungen abheben, indem es nicht auf aktuelle Verlagsprogramme und saisonale Sensationen eingehen muss, sondern sich allein dem Erkenntnisgewinn einer hochwertigen Literatur widmet: indem es einen lebendigen Zugang zu ihr anbietet.

 

 

Ab 2021 soll dieses Gipfeltreffen der Literatur vom 8.7. bis 10.7.2020 Literaturbegeisterte nach Lech holen. Das «Literaricum» verspricht Bildung und Unterhaltung auf hohem Niveau.

 

 

Im Zentrum steht jeweils ein Klassiker der Weltliteratur – eine Literatur, die sich vom literarischen Tagesgeschehen und den üblichen Formen der Belletristik abgehoben und den gnadenlosesten Kritiker – die Zeit – überzeugt hat, um uns nun «ewige Werte, allgemeine Wahrheiten und zeitlose Erkenntnis» vor Augen zu führen. Dazu zählen:

 

  •  klassische Literatur-Gespräche
  • Reportagen

Das Genre Reportage als literarisches Abbild unserer Welt soll über den Autor/die Autorin diese Welt auch nach Lech bringen. Ab 2020/21 sitze ich in der Haupt-Jury des «True Story Award», https://truestoryaward.org/, der 2019 erstmals die weltbesten Reportagen in 12 Sprachen ausgezeichnet hat. Dementsprechend habe ich einen guten Überblick über all das, was in diesem Bereich gerade «heiss gehandelt» wird.

  • Sach-Themen

Im kleinen Rahmen und in Anlehnung an das jeweilige «Meisterwerk» und dessen Thema dürfen auch Sach-Themen eingebunden sein.

  • Kinder- bzw. Jugend-Literatur und Poetry Slam werden in einer der nächsten Ausgaben im Programm ergänzt.

Programm

 

Donnerstag, 8.7.2021, 18h00

 

Hotel Sonnenburg

 

Eröffnung mit Daniel Kehlmann: Teutsche Sorgen oder Die Entdeckung der Stimme (Zusage)

im Anschluss: Gespräch über Kehlmanns Bezug zum Simplicius mit Nicola Steiner

 

Der österreichische Bestseller-Autor Daniel Kehlmann versetzt in seinem Roman «Tyll» die Hauptfigur mitten in den Dreissigjährigen Krieg. Tyll durchläuft – ähnlich wie einst der einfältige Simplicius – die unterschiedlichsten Stationen und schlüpft in diverse Rollen: als Soldat, als Narr im Tierkostüm, in Frauenverkleidung. Er hat keine Identität und ist zu allen Verwandlungen in der Lage. Im Anschluss an Kehlmanns Eröffnungsrede spricht Nicola Steiner mit dem Autor darüber, was die Faszination an diesem Klassiker der Weltliteratur ausmacht.

 

 

Freitag, 9.7.2021

Freitag, 9.7.2021, 10h00

 

Thomas Strässle und Reinhard Kaiser im Gespräch mit Nicola Steiner: Wie aktuell ist der «Simplicius»? (Zusage)

 

Schon zu Grimmelshausens Lebzeiten war der «Simplicius Simplicissimus» angeblich ein Bestseller. Das Buch hatte Erbauliches, Satirisches, Kriegs-, Sozial- und Erziehungskritisches zu bieten – ganz zu schweigen von den Ferkeleien, die vielen Lesenden gefallen haben dürften. Was hat uns diese Erzählung vom Überleben in einer zerfallenden Welt aus dem 17. Jahrhundert heute noch zu sagen?

 

Der deutsche Schriftsteller Reinhard Kaiser hat den abenteuerlichen Barock-Brocken «Simplicius Simplicissimus» elegant und behutsam ins Neuhochdeutsche übersetzt, der Schweizer Literaturwissenschaftler Thomas Strässle wurde über den «Simplicius» promoviert. Beide haben sich eingehend mit dem Werk auseinandergesetzt und stellen im Gespräch mit Nicola Steiner den Bezug zu unserer Gegenwart her.

 

 

 

Freitag, 9.7.2021, 15h00

 

«Werkstatt-Gespräch zum Übersetzen»: Die Übersetzung des Simplicius vom Teutschen ins Deutsche. (Zusage)

 

Wie bringt man einen Klassiker der Weltliteratur in ein zeitgenössisches Deutsch, ohne seine literarischen Eigenheiten zu verwerfen? Reinhard Kaiser gibt im Gespräch mit dem österreichischen Lyriker und Übersetzer Raoul Schrott Auskunft über die Tücken, die in solch einer diffizilen Übersetzungsleistung stecken. Mit einer LESUNG von Reinhard Kaiser aus seiner Übersetzung. 

 

 

 

Freitag, 9.7.2021, 17h30

 

Wolfgang Bauer im Gespräch mit Raoul Schrott: Kriegsreportage. Der Fiktion die Wirklichkeit entgegensetzen (Zusage)

 

Seit vielen Jahren bereist der deutsche Journalist Wolfgang Bauer als Kriegsberichterstatter in den Krisengebieten dieser Welt unterwegs. Im Gespräch mit Raoul Schrott erzählt er von seinen Erlebnissen, Erfahrungen und Erkenntnissen.

Samstag, 10.7.2021

 

Samstag, 10.7.2021, 10h00

 

Raoul Schrott: Die Erfindung der Poesie – die Sumerer und das Gilgamesch-Epos (Zusage)

Der österreichische Dichter und Schriftsteller Raoul Schrott wird für jedes «Literaricum» eine Veranstaltung konzipieren, in der er für uns die weltweiten Stationen abschreitet, an denen die Literatur ihre heutigen Formen gewann. Vom Zweistromland nach Griechenland, von den Römern zu den Arabern, von den irischen Mönchen zu den provenzalischen Troubadours…

 

Den Anfang macht er mit den ältesten erhaltenen Gedichten und dem ältesten Stoff der Weltgeschichte, wie er im allerersten Epos – dem von Gilgamesch – niedergelegt wurde.

 

 

 

Samstag, 10.7.2021, 15h00

 

Felicitas Hoppe im Gespräch mit Nicola Steiner: Über kindliche Neugier und Narrentum. (Zusage)

 

«Dem seltsamen Simplicius kommt in der Welt alles seltsam vor – umgekehrt er der Welt aber auch.» Dieses Zitat aus dem «Simplicius Simplicissimus» könnte auch aus einem der Romane der Büchern-Preisträgerin Felicitas Hoppe stammen. Hoppe gilt als eine der eigenwilligsten und phantasievollsten Schriftstellerinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, bekannt für ihre kindliche Neugier und witzige Mischung aus Dichtung und Wahrheit. Sie ist eine Weltreisende, eine Zeitreisende. Und steht somit ganz in der Tradition des Simplicius.