Kuppel des Skyspace in Oberlech, Lech am Arlberg 2018 (c) Florian Holzherr

© Kuppel des Skyspace in Oberlech, Lech am Arlberg 2018 (c) Florian Holzherr

14. Mai 2018

Der Skyspace in Lech

Mit dem Skyspace Lech des Lichtkünstlers James Turell findet sich am Arlberg ab Dezember 2017 eine Sensation in doppeltem Sinne

Meine Arbeiten handeln nicht von Licht, sie sind Licht“, so James Turrell, der in seinem Metier als der bedeutendste Künstler der Gegenwart gilt. Der von ihm konzipierte Skyspace Lech eröffnet den Besuchern als begehbares Kunstwerk einzigartige visuelle Erfahrungen. Zu verdanken ist das kulturelle Highlight in Lech Zürs dem privaten Verein „Horizon Field“ und zahlreichen Spendern im Rahmen eines Fundraising. Als nahezu mystischer Lichtraum am Berg ist der Skyspace Lech beispielgebend für eine gelungene Verbindung von öffentlicher Kunst und der sie umgebenden Landschaft.

Lech Zürs am Arlberg, 19. Oktober 2018. Als James Turrell im September 2014 Lech besuchte, zeigte er sich von der Gebirgslandschaft fasziniert. Seine Visite galt einer Vision des privaten Vereins „Horizont Field“, der im Zusammenhang mit dem gleichnamigen Land-Art-Projekt des ebenfalls weltweit geschätzten britischen Künstlers Anthony Gormley gegründet wurde. Galt das Bestreben zunächst, die von 2010 bis 2012 für Furore sorgende Landschaftsinstallation von Gormley zu erhalten, wandten sich die Vereinsmitglieder nach den vergeblichen Bemühungen neuen Ideen zu.

Belohnt wurde der beharrliche Einsatz für Kunst im öffentlichen Raum schon 2014. Dass James Turrell für den Entwurf einen seiner legendären Skyspaces in Lech Zürs gewonnen werden konnte, galt damals bereits als sensationell. Nunmehr in Verwirklichung begriffen, sehen Fachleute im Skyspace Lech eine einzigartige kulturelle Bereicherung für die Region.

Das herausragende Werk eines Visionärs…

Für viele gilt der 1943 in Los Angeles, USA geborene Jams Turrell als der bedeutendste Lichtkünstler der Gegenwart. Seit über einem halben Jahrhundert beschäftigt er sich mit den Phänomenen Licht und Raum. Turrell, der Mathematik und Psychologie studierte, kann als Pionier auf dem Felde der Kunst wie auch der Wissenschaft bezeichnet werden, als Grenzgänger im besten Sinne des Wortes. Seit den 1960er Jahren kreiert er Kunstwerke, die dem Betrachter die Grenzen und das Wunder der menschlichen Wahrnehmung näherbringen.

In seinem Werk geht es nicht um Licht oder das Erfassen von Licht, es ist Licht – die physische Präsenz von Licht, das sich in sensorischer Form manifestiert“, schreibt der New Yorker Schriftsteller und Kunstkritiker Calvin Tomkins. In Verbindung mit Licht interessiert sich Turrell zugleich für die Erfahrung von Raum. Er spricht dabei vor der Präsenz eines Raumes – „jenes physische Gefühl und die Kraft, die ein Raum geben kann“, so der Künstler.

                                               …als eine faszinierende sinnliche Grenzerfahrung

Längst legendär ist der „Roden Crater“, das Opus Magnum von James Turrell, an dem er seit 40 Jahren arbeitet. Als eine Art Licht-Observatorium auf einem erloschenen Vulkan in der Wüste von Arizona soll es eine völlig neue Erfahrung des Himmelslichtes bewirken. Neben diesem gigantischen Projekt hat der Künstler seit 1974 Dutzende kleiner dimensionierte „Lichträume“ kreiert. Seine Skyspaces finden sich weltweit an den unterschiedlichsten Orten.

Dennoch ist der Skyspace Lech in mehrfachem Sinne einmalig. Der Standort „Tannegg“ in Oberlech war für den Künstler aufgrund der exponierten hochalpinen Lage auf 1.780 Metern von besonderem Reiz. So hat er für den ellipsenförmigen, weitestgehend unterirdisch in eine Landschaftskuppe integrierten Bau eine spezielle Kuppel vorgesehen, die sich öffnen lässt.

Durch ihre ebenfalls ellipsenartige, an ein überdimensioniertes Auge erinnernde Öffnung lässt sie den Himmel für den Betrachter nahezu plastisch erscheinen. Zudem sorgt das einfallende natürliche Licht insbesondere während der Dämmerung für wechselnde Stimmungen. Auch durch die Schlichtheit des Raums entsteht eine kontemplative Atmosphäre, was im Sinne des Konzepts „Skyspace“ zur von Turrell intendierten intensiven Wahrnehmung des Lichts führt.

Einzigartig beim Skyspace Lech ist die Kombination mit einer zweiten Konzeption und Werkserie des Licht- und Raumkünstlers – dem „Ganzfeldraum“, der bei geschlossener Kuppel seine Wirkung entfaltet. Unter einem Ganzfeld wird ein strukturloses, gleichmäßig ausgeflutetes Sehfeld verstanden, das durch seine Homogenität keinerlei Orientierung bietet.

Im Skyspace Lech werden hierfür die Wände und Decke in farblich wechselndes Licht getaucht. Durch den Ganzfeld-Effekt eröffnet sich für den Besucher eine außergewöhnliche visuelle Erfahrung: der Eindruck eines mit Licht und Farbe gefluteten, grenzenlosen Raums. Mit dem Totalausfall der Tiefenwahrnehmung einher geht eine Sensibilisierung der inneren Wahrnehmung. Der nach innen gerichtete Blick und damit das verstärkte Bewusstsein für  die eigene, individuelle Wahrnehmung ist schließlich ein zentrales Ziel von James Turrell:

“My desire is to set up a situation to which I take you and let you see. It becomes your experience.“

Das „Verschmelzen“ von Landschaft und Kunst im öffentlichen Raum

Der Skyspace Lech kann somit sowohl im Sinne einer subjektiven Gefühlsempfindung als auch hinsichtlich seiner kulturellen Bedeutung als echte Sensation bezeichnet werden. Zu verdanken ist das Projekt dem Interesse der Lecher Bevölkerung an öffentlicher Kunst und dem entsprechend anhaltenden Engagement des privaten Vereins „Horizon Field“.

Dessen Obmann Otto Huber verweist auf den Erfolg der Fundraising-Aktion „A piece of Heaven“, bei der durch den Verkauf von 250 Bausteinen zum Preis von je 1.000 Euro ein Viertel des Projektbudgets aufgebracht wurde: „Es hat uns gezeigt, wie viele Menschen eine starke Beziehung zu dieser Kunst, aber auch zum Ort Lech haben. Gäste aus aller Welt brachten sich mit großer Begeisterung ein und ermutigten uns, das Projekt weiter zu verfolgen.“ Zum Dank finden sich die Spender mit Namensgravuren am Skyspace verewigt.

James Turrell für die Idee zu gewinnen, gelang in Zusammenarbeit mit der Galerie Häusler Contemporary. Einen Bezug zu Vorarlberg hatte der Künstler bereits durch seine faszinierenden Lichtinstallationen an der Glasfassade des Kunsthaus` Bregenz 1997. Die detaillierten Skizzen von Turrell zum Skyspace Lech entstanden bereits im November 2014. Im Februar 2015 wurden diese dann vom Architektenbüro Baumschlager-Eberle in einen architektonischen Entwurf umgesetzt. Der ovale Lichtraum misst 9 x 6 Meter, mit einer Höhe von 5,2 Metern und verfügt über eine umlaufende Sitzbank. Die ovale Öffnung in der Decke, welche als glänzende Kuppel den kleinen Hügel gleichsam krönt, misst 3,5 x 2,6 Meter.

Der Zugang erfolgt über einen 15 Meter langen Tunnel. Vor dem Gebäude eröffnet sich ein herrliches Panorama, wobei eine Blickachse über den alten Weiler Bürstegg bis hin zum imposanten Gipfel des Biberkopf reicht. Am „Tannegg“, einem kleinen Hügel oberhalb der Bergstation der Schloßkopfbahn, führt ein im Sommer wie auch Winter beliebter Wanderweg vorbei, wobei der Skyspace Lech auch von der Skiabfahrt nach Oberlech leicht erreichbar ist. 

                                   …als kulturelles Highlight für die Region und Gäste von Lech Zürs

Als sensibel in die Landschaft eingefügtes Gebäude ist der Skyspace Lech ein leuchtendes Beispiel für das gelungene Verschmelzen von öffentlicher Kunst und ihrer Umgebung – in diesem Fall einer reizvollen alpinen Kulturlandschaft, die auf die Walser zurückgeht. Die von James Turrell geschaffene Komposition aus Naturerlebnis, Architektur und exzeptioneller visueller Wahrnehmung lädt ein zur überwältigenden Erfahrung von Licht, Zeit und Raum.

„Wir sehen mit Freude der Eröffnung des Skyspace Lech entgegen. Als ein wahres Glanzlicht unseres breiten kulturellen Angebots dürfte er bei unseren Gästen wie auch allen Einheimischen noch in Generationen für ein eindrucksvolles und unvergleichliches Kunsterlebnis garantieren“, so Tourismusdirektor Hermann Fercher.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Artikel

Cookie Settings

Folgende Cookies werden zu Marketingzwecken verwendet:

Google Analytics (cn_AnalyticsActive)

Wird verwendet um Daten über das Nutzerverhalten und das Gerät des Nutzers an Google Analytics zu senden. Trackt den Besucher über verschiedene Geräte und Marketingkanäle.