31. März 2021

Literaricum Lech – 8. bis 10. Juli 2021

Lech am Arlberg lädt zur Premiere des alljährlichen Literaricum Lech

Nachdem sich in den vergangenen knapp 25 Jahren das Philosophicum Lech zu einer festen Größe im Kulturleben von Lech Zürs am Arlberg entwickelt hat, ist es Zeit für einen nächsten Schritt: das Literaricum Lech. Vom 8. bis 10. Juli 2021 lädt dieses Gipfeltreffen der Literatur alle Kulturinteressierten aus nah und fern zu einem breit gefächerten Programm. Das Literaturfest wird sich von gängigen Literaturveranstaltungen abheben, indem es nicht auf aktuelle Verlagsprogramme und saisonale Sensationen eingehen muss, sondern sich allein dem Erkenntnisgewinn einer hochwertigen Literatur widmet – indem es einen lebendigen Zugang zu ihr anbietet. So verspricht das alljährlich im Frühsommer stattfindende Literaricum Lech zugleich Bildung und Unterhaltung auf hohem Niveau.

 

„Im Zentrum steht jeweils ein Klassiker der Weltliteratur – eine Literatur, die sich vom literarischen Tagesgeschehen und den üblichen Formen der Belletristik abgehoben und den gnadenlosesten Kritiker – die Zeit – überzeugt hat, um uns nun ‚ewige Werte, allgemeine Wahrheiten und zeitlose Erkenntnis‘ vor Augen zu führen“, erklärt Nicola Steiner, die als wissenschaftliche Leiterin für die Konzeptionierung und Organisation des Literaricum Lech verantwortlich zeichnet. Im gesamten deutschsprachigen Raum als Gastgeberin des Literaturclubs im Schweizer Radio und Fernsehen bekannt, macht sich die schweizerisch-deutsche Kulturjournalistin seit vielen Jahren in diversen Funktionen um die Literaturvermittlung verdient. Beim Literaricum Lech beratend zur Seite stehen ihr der Vorarlberger Schriftsteller und Mitinitiator des Philosophicum Lech Michael Köhlmeier sowie der ebenso renommierte österreichische Literat und Literaturwissenschaftler Raoul Schrott. Die beiden entwickelten die Idee zum neuen Literaturfest in Lech und entwarfen mit das Konzept.

Daniel Kehlmann wird als Meisterwerk der Weltliteratur den „Simplicissimus“ vorstellen

Der Auftakt des Literaricum Lech wird die Eröffnungs-Rede sein, in der sich ein zeitgenössischer Autor bzw. eine Autorin ganz persönlich und subjektiv mit dem im Zentrum stehenden Meisterwerk und dessen Autorschaft auseinandersetzt. Durch diesen persönlichen Blick soll aufgezeigt werden, was die Faszination des jeweiligen Klassikers der Weltliteratur ausmacht. Bei der diesjährigen Premiere wird Daniel Kehlmann das Literaturfest mit einer Rede über sein Verhältnis zum Abenteuer- und Schelmenroman „Simplicius Simplicissimus“ von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen eröffnen. Die Thematik des jeweiligen Meisterwerks kann während der dreitätigen Veranstaltung als Echo-Kammer mitschwingen, soll aber nicht aufdringlich umgesetzt werden. Beispielsweise stellt sich in Bezug auf den „Simplicissimus“ die Frage, welche Rolle Schelme und Trickser in Gesellschaften spielen. Von diesem thematischen Kern unabhängig konzipiert sind die anderen Veranstaltungen.

Breit gefächertes Veranstaltungsprogramm dank eines weitgreifenden Literaturbegriffs

Das Programm des Literaricum Lech will ausdrücklich die Breite und Vielfalt von Literatur an sich abbilden und unterschiedlichste Interessen sowie grundsätzlich ein breit gestreutes Publikum ansprechen. Zu den Veranstaltungsformaten zählen klassische Literatur-Gespräche oder auch solche zu Reportagen. Als literarisches Abbild unserer Welt soll dieses Genre über einen Autor bzw. eine Autorin diese Welt auch nach Lech bringen, wie Nicola Steiner erläutert und dazu anmerkt: „Ab 2020/21 sitze ich in der Haupt-Jury des ‚True Story Award‘, der 2019 erstmals die weltbesten Reportagen in zwölf Sprachen ausgezeichnet hat. Dementsprechend habe ich einen guten Überblick über all das, was in diesem Bereich gerade ‚heiß gehandelt‘ wird.“  Sachthemen werden ebenfalls in kleinem Rahmen und in Anlehnung ans jeweilige Meisterwerk eingebunden. Des Weiteren werden in den kommenden Jahren auch Kinder- und Jugendliteratur sowie Poetry Slam das Programm des Literaricum Lech ergänzen. Heuer widmet sich eine Veranstaltung der Kunst des Übersetzens.

Das Veranstaltungsprogramm des Literaricum Lech 2021 im Überblick

Am Donnerstag, den 8. Juli 2021, um 18.00 Uhr erfolgt die Eröffnung mit der Rede von Daniel Kehlmann unter dem Titel „Teutsche Sorgen oder Die Entdeckung der Stimme“. In seinem 2017 erschienenen Roman „Tyll“ versetzt der österreichische Bestsellerautor die Hauptfigur mitten in den Dreißigjährigen Krieg. Tyll durchläuft – ähnlich wie einst der einfältige Simplicius – die unterschiedlichsten Stationen und schlüpft in diverse Rollen: als Soldat, als Narr im Tierkostüm, in Frauenverkleidung. Er hat keine Identität und ist zu allen Verwandlungen in der Lage. Im Anschluss an Kehlmanns Eröffnungsrede wird Nicola Steiner mit dem Autor darüber sprechen, was die Faszination an diesem Klassiker der Weltliteratur von Grimmelshausen ausmacht.

 

Den Auftakt am Freitag, den 9. Juli 2021, um 10.00 Uhr geben Thomas Strässle und Reinhard Kaiser im Gespräch mit Katharina Teutsch zur Frage „Wie aktuell ist der ‚Simplicius‘?“ Schon zu Grimmelshausens Lebzeiten war der „Simplicius Simplicissimus“ angeblich ein Bestseller. Das Buch hatte Erbauliches, Satirisches, Kriegs-, Sozial- und Erziehungskritisches zu bieten, ganz zu schweigen von den Ferkeleien, die vielen Lesenden gefallen haben dürften. Es stellt sich die Frage, was diese Erzählung vom Überleben in einer zerfallenden Welt aus dem 17. Jahrhundert uns heute noch zu sagen hat. Der deutsche Schriftsteller Reinhard Kaiser hat den abenteuerlichen Barock-Brocken elegant und behutsam ins Neuhochdeutsche übersetzt, der Schweizer Literaturwissenschaftler Thomas Strässle hat über den „Simplicius“ promoviert. Beide haben sich eingehend mit dem Werk auseinandergesetzt und stellen im Gespräch den Bezug zu unserer Gegenwart her.

 

Am Freitag, den 9. Juli 2021, um 15.00 Uhr wird in einem Werkstattgespräch mit dem Titel „Die Übersetzung des Simplicius vom Teutschen ins Deutsche“ erörtert, wie man einen Klassiker der Weltliteratur in ein zeitgenössisches Deutsch bringt, ohne dessen literarische Eigenheiten zu verwerfen. Reinhard Kaiser gibt im Gespräch mit dem österreichischen Lyriker und Übersetzer Raoul Schrott Auskunft über die Tücken, die in solch einer diffizilen Übersetzungsleistung stecken. Ergänzend wird Reinhard Kaiser eine Lesung aus seiner Übersetzung zum Besten geben.

 

Es folgt am Freitag, den 9. Juli 2021, um 17.30 Uhr ein Gespräch zwischen Wolfgang Bauer und Raoul Schrott zum Thema „Kriegsreportage. Der Fiktion die Wirklichkeit entgegensetzen“. Dabei wird der seit vielen Jahren als Kriegsberichterstatter die Krisengebiete dieser Welt bereisende deutsche Journalist von seinen Erlebnissen, Erfahrungen und Erkenntnissen berichten.

 

Am Samstag, den 10. Juli 2021, um 10.00 Uhr stellt Raoul Schrott unter dem Titel „Die Erfindung der Poesie – die Sumerer und das Gilgamesch-Epos“ die Anfänge der verschriftlichten Literatur vor. Der vielseitige österreichische Schriftsteller sowie Literaturwissenschaftler wird für jedes Literaricum Lech eine Veranstaltung konzipieren, in der er die weltweiten Stationen abschreitet, an denen die Literatur ihre heutigen Formen gewann. Vom Zweistromland nach Griechenland, von den Römern zu den Arabern, von den irischen Mönchen zu den provenzalischen Troubadours, … Den Anfang macht er mit den ältesten erhaltenen Gedichten und dem ältesten Stoff der Weltgeschichte, wie er im allerersten Epos – dem von Gilgamesch – niedergelegt wurde.

 

Abgerundet wird das Literaricum Lech 2021 mit der Veranstaltung am Samstag, den 10. Juli 2021, um 15.00 Uhr, bei der sich Felicitas Hoppe mit Nicola Steiner „Über kindliche Neugier und Narrentum“ unterhalten wird. „Dem seltsamen Simplicius kommt in der Welt alles seltsam vor – umgekehrt er der Welt aber auch.“ Dieses Zitat aus dem „Simplicius Simplicissimus“ könnte auch aus einem der Romane der Georg-Büchner-Preis-Trägerin Felicitas Hoppe stammen. Sie gilt als eine der eigenwilligsten und phantasievollsten Schriftstellerinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, bekannt für ihre kindliche Neugier und witzige Mischung aus Dichtung und Wahrheit. Hoppe ist eine Weltreisende, eine Zeitreisende. Und steht somit ganz in der Tradition des Simplicius.

 

Informationen inklusive Programm und Bestellmöglichkeit des Literaricum Passes: 
 www.lechzuers.com/de/kultur-und-lifestyle/events-und-veranstaltungen/literaricum-lech